Yogaphilosophie: Yoga der Tat

In der Philosophischen Schrift des Patanjali wird der Kriya Yoga beschrieben, der „Yoga der Tat“. Es handelt sich mehr um die Herangehensweise an unsere Yogapraxis, als um die Beschreibung konkreter Übungen. Es geht also um Qualität, mehr um das "Wie" als um das "Was". Diese Qualität lässt sich nicht nur im Yoga anwenden, sondern in jeder alltäglichen Tätigkeit. Auch dann führt der Kriya Yoga auf lange Sicht zum Ziel: zum Zustand des Yoga, zur geistigen Freiheit.

 

Kriya Yoga umfasst grob gesagt drei Aspekte unseres Handelns:

 

1. Tapas
Dies bedeutet einerseits Verzicht, andererseits auch Leidenschaft und Engagement. Im Kriya Yoga geht es also darum, etwas mit einem gewissen Enthusiasmus zu tun und andererseits, ein bestimmtes Verlangen zu überwinden und sich zu mäßigen. Das wird empfohlen, um die Freiheit über die Gedanken und Handlungen zu erhalten. Wer gedanklich an Dingen oder Emotionen haftet, ist nicht frei und wird oft getrieben. Eine gute Yogapraxis sollte dieses Anhaften langsam aber stetig verringern.

 

2. Svadhyaya
Übersetzt wird das Wort meist als "Selbststudium" oder "sich selbst nähern". Gemeint ist die Selbstreflexion, das Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Grenzen. In der Praxis üben wir diesen Aspekt, indem wir mit der Aufmerksamkeit stets 100% bei dem sind und bleiben, was wir tun. Automatisiertes abspulen von Handlungen wäre also das Gegenteil davon – auch beim Yoga. T.K.V. Desikachar hat einmal in einem Interview gesagt, svadhyaya sei in der Praxis, wenn der Übende Mantren oder Texte seiner Wahl rezitiert oder "chantet". Er meinte damit, dass Mantren oder Texte, die uns inhaltlich etwas bedeuten, mit größter Achtsamkeit und Hingabe rezitiert werden. Durch diese Achtsamkeit erlangen wir Erkenntnis über uns selbst. 

 

3. Ishvara Pranidhana
Dieses „Vertrauen in die Existenz einer höheren Kraft“ ist nicht unbedingt religiös gemeint. Vielmehr geht es auch hier darum, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, dass Vieles nicht in der eigenen Macht liegt. Der Übende sollte offen sein für das Unvorhersehbare und nicht versuchen, alles steuern zu wollen. "Es geschehen lassen" heißt hier die Devise. Bezogen auf Yoga ist dieser Aspekt gut mit dem Atem zu üben. Den Atem passiv kommen lassen, statt aktiv nach Luft zu schnappen wäre eine Möglichkeit zur Übung während der täglichen Praxis. Spüren, dass der Atem kommt und geh, ob wir etwas aktiv dazu tun oder nicht.

 

Laut Patanjali, eine der ältesten Schriften des Yoga, werden dadurch die fünf Kleshas reduziert. Kleshas sind die Hindernisse, die uns Leiden bringen: Unwissenheit/Verblendung (avidya), Ego/Anhaftung (asmita), Hass/Abneigung (dvesha), Gier (raga) und die Angst, besonders vor dem Tod (abhinivesha). Patanjali schreibt, dass es für möglich ist, allein mit den oben genannten drei Disziplinen des Kriya Yoga den Zustand des Yoga und damit die geistige Freiheit zu erreichen. In jedem Fall bereichert dieses Konzept aber unser Handeln und bringt Qualität in unsere Yogapraxis.

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© Christine Zednik

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