Die wichtigsten Yoga-Stile im Überblick

Die Yogis sagen, es gibt so viele Yogastile, wie es Menschen gibt. Denn die meisten Yogalehrer wandeln die Übungen für sich und ihre Schüler individuell ab und bieten ganz eigene Mischformen an. Zudem werden viele „Modetrends“ erfunden, die mit der Zeit wieder verschwinden. Meist kommen diese aus den USA und sind rechtlich geschützte Marken - mit entsprechendem Preisniveau für die Übenden. Dennoch gibt es einige grundlegende Unterschiede, einige der wichtigsten haben wir hier gesammelt.

 

Hatha-Yoga
ist eigentlich kein Yogastil, sondern vielmehr ein Überbegriff für die meisten im Westen praktizierten Yogastile, die mit der Mischung aus Körper- und Atemübungen arbeiten. „Hatha“ bedeutet so viel wie Kraft. Das Wort wird aber auch gerne gedeutet als Verbindung der Silben "Ha" für Sonne (Kraft, erhitzend) und "tha" für Mond (Stille, kühlend). Hatha Yoga soll also eine Verbindung der beiden Elemente und damit einen Ausgleich bewirken. Dies geschieht durch die Kombination von Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und Meditation. Durch regelmäßige Praxis mehrmals pro Woche können erstaunliche Wirkungen erzielt werden, weshalb grundsätzlich empfohlen wird, nicht nur einmal pro Woche in ein Yogastudio zu gehen, sondern ein Übungsprogramm zu Hause durchzuführen.

 

Yoga in der Tradition T. Krishnamacharya/T.K.V. Desikachar/ R. Sriram
 ("Yogaweg" oder manchmal auch „Viniyoga“)
Diese auf dem Hatha Yoga basierende Tradition ist vielleicht die grundlegendste der heutigen Zeit. Denn der Inder Sri Tirumalai Krishnamacharya war Lehrer vieler bekannter Yogalehrerinnen und –lehrer, wie beispielsweise B.K.S. Iyengar, Pattabhi Jois oder Indira Devi. Sein Sohn T.K.V. Desikachar war bis zu seinem Tod im Jahr 2016 ebenfalls ein hochgeschätzter Yogalehrer und setzte die Tradition weiter fort. Atmung und Bewegung werden in diesem Ansatz präzise koordiniert, die Abläufe sind meist fließend(dynamisches Üben). Philosophie, Reflexion, Meditation nehmen einen großen Stellenwert ein, die Wirkung soll ganzheitlich Körper und Geist erfassen. Kernpunkt ist die individuelle Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse des Einzelnen. "Yoga soll für alle praktizierbar sein" ist die Devise. Auf Alter, Fitness-Level und Yoga-Erfahrung wird bei der Auswahl der Übungen eingegangen. Entsprechend ist der Einzelunterricht mit der Erstellung eines individuellen Übungsprogramms optimal. Doch auch Gruppenunterricht wird angeboten, dann meist mit einem übergeordneten Thema für einen Kursblock. Die Kurse bei Yoga am Hengstbach basieren auf dieser Tradition!

 

Ashtanga- oder Vinyasa-Yoga
ist eine sportlich-fordernde Form des Yoga. Vom Inder Sri Krishna Pattabhi Jois entwickelt (auch er war Schüler des berühmten Krishnamacharya), werden in dieser dynamischen Form des Hatha-Yoga eine Reihe festgelegter Asanas geübt, die oft mit einer bestimmten Atmung (Ujjayi) verbunden wird. Sprünge und kraftvolle Haltungen bringen die Teilnehmer ins Schwitzen und sollen so entgiftend wirken. Nur für junge, sehr sportliche Yogis geeignet, die keinerlei körperlichen Beschwerden oder Rückenprobleme haben.

 

Bikram-Yoga
ist eine eingetragene Marke. Die immer gleiche rechtlich geschützte Serie von 24 Yoga-Übungen werden in einem auf 40 Grad geheizten Raum bei etwa 40 Prozent Luftfeuchtigkeit praktiziert. Dazu kommen noch zwei Atemübungen (Pranayama). Der aufgrund verschiedener Vorkommnisse und Gerichtsverfahren sehr umstrittene Inder Bikram Choudhury hat diese Reihenfolge zusammengestellt und schützen lassen. Seine sehr wirtschaftliche Sicht auf Yoga und die Idee, einen Wettbewerb daraus zu machen (was im krassen Gegensatz zu den Aussagen im Yogasutra steht) sorgt bei vielen Yogalehrern für Unmut.

 

Hormon-Yoga
wurde im Original von der Brasilianerin Dinah Rodrigues entwickelt. Bestimmte Asanas aus dem Hatha-Yoga und Kundalini-Yoga werden dabei mit Energie- und Atemübungen kombiniert. Vorrangig sollen die Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren stimuliert werden, um die Hormonproduktion anzuregen.

 

Flying-Yoga
ist eine relativ neue, akrobatische Yogaform, bei der die Schüler Asanas mit einem an der Decke befestigten Tuch praktizieren. Hier ist erhöhte Körperspannung gefragt, ein gutes Gleichgewichtsgefühl und ein wenig Mut.

 

Iyengar-Yoga
wurde vom Inder B.K.S. Iyengar, einem Schüler von T. Krishnamacharya, begründet und zeichnet sich durch die kraftvolle und exakte, meist statische Ausführung von Asanas aus, oftmals auch mit Hilfsmitteln wie Klötzen oder Gurten.

 

Jivamukti-Yoga
verfolgt einen tänzerisch-fließenden Ansatz mit viel Gesang. Er wurde in den 80er Jahren in New York entwickelt und soll mentale Stärke und Ausgeglichenheit fördern.

 

Kundalini-Yoga
verfolgt die Lehre von Yogi Bhajan, der mit dieser Yogaform die „Kundalini“ anregen wollte. Diese Energie sitzt im Becken und wird oft als ruhende Schlange dargestellt. Das Erwecken der Kundalini soll durch intensive Atemübungen (Pranayama), Körperhaltungen (Asana), reinigende Übungen (Kriya), Meditation und das Singen von Mantras erreicht werden. Kundalini-Yoga ist eine entsprechend ruhige und meditative Yoga-Form.

Power-Yoga
ist ein amerikanisch-sportlicher Yogastil, der durch viele Prominente bekannt wurde. Unter anderem sollen angeblich Madonna oder Claudia Schiffer auf Power-Yoga vertrauen. Durch längeres Halten von Yoga-Positionen soll Koordination, Kraft und Balance geübt werden. Insgesamt ist Power-Yoga eher ein forderndes Sport-Workout mit Asanas als eine ernsthafte Yoga-Praxis.

 

Prana Flow
wurde durch seine Erfinderin, die Amerikanerin Shiva Rea, die sich selbst als "Feuerhüterin" bezeichnen lässt und Ihre Workshops vornehmlich in den schönsten Urlaubsgebieten der Welt anbietet, ebenfalls als Marke geschützt. Diese Variante des Vinyasa-Yoga zeichnet sich durch fließende, dynamische Bewegungen aus, die das „innere Feuer“ (Agni) stärken sollen. Das Ganze erscheint wie ein trendiges Lifestyle-Geschäftsmodell und ist für junge und sportliche Teilnehmer geeignet.

Raja-Yoga
bezeichnet den meditativen Stil, der Bezug nimmt auf die Philosophie des „achtgliedrigen Pfads“ der alten Schriften des Inders Patanjali. Hier wird verstärkt mental gearbeitet.  

 

TriYoga
wieder eine geschützte Marke, diesmal unter der Regie der Amerikanerin Kali Ray, die Yoga nicht von einem Lehrer, sondern im Selbststudium erlernt hat. Neben fließend ausgeführten Asanas und Pranayama gibt es hier eine Reihe von Handmudras (Fingerstellungen). Laut Kali Ray, die sich "Kaliji" nennt, wurden ihr diese Handmudras durch die "Kundalini" selbst eingegeben.
 

Yin-Yoga
ist ein ruhiger Yogastil und damit eine Art Gegenpol zum sportlichen Ashtanga-Yoga. Die Asanas werden ohne aktive Muskelkraft über einen längeren Zeitraum von drei bis fünf Minuten gehalten. So soll bis in die tieferen Körperschichten hinein gedehnt und verklebte Faszien auf sanfte Weise gelöst werden.

 

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© Christine Zednik

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