Bist Du sthira sukha?

Die ideale Yogahaltung ist fest-stabil (sthira) und leicht-bequem (sukha). Asana, die Körperübungen des Yoga, sollte man immer so praktizieren, dass man in der jeweiligen Haltung diese Qualitäten erreicht.

 

Nehmen wir den „Held“ (virabhadrasana) als Beispiel. Hier benötigst Du einen stabilen Stand, beide Füße gleichmäßig fest am Boden, das Gewicht "im Lot" auf der Mitte oder eher hinten. Gleichzeitig sollst Du jetzt aber nicht verkrampfen, die Schultern nicht hochziehen, Finger spreizen oder das Gesicht anspannen. Du solltest stabil und gleichzeitig locker stehen. Falls Du Dich jetzt nicht wirklich angesprochen fühlst, weil Du in Deiner Yogastunde fast abbrichst und noch ganz andere asana machst, die Du eigentlich noch gar nicht richtig kannst, kannst Du die Qualität von sthira-sukha in Deiner Praxis wahrscheinlich nicht erreichen. Dieses Konzept wird im Yogasutra von Patanjali beschrieben, eine der ältesten und wichtigsten Schriften des Yoga. Dazu gehört auch die Idee des langen bzw. tiefen, feinen Atems ("dirgha" und "sukshma"), der die Bewegung umrahmt und zugleich eine Referenz dafür ist, ob in der angestrebten Qualität geübt wird.

 

Aber warum ist das so wichtig? Warum können wir nicht, so wie wir es im Westen gewohnt sind, immer ein Stück an unsere Grenzen gehen und darüber hinaus? Ganz einfach: Es ist auf Dauer ungesund und – für mich fast noch wichtiger – so üben wir nicht im Sinne des Yoga, nämlich geistig ausgerichtet und im Einklang mit dem Atem. Wir bleiben im Außen, halten an einer bestimmten Form fest, die wir unbedingt erreichen wollen. Und damit verschenken wir den wichtigsten Aspekt des Yoga, seine wertvollste Wirkung. Die liegt nämlich nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern erfasst uns ganzheitlich – mit Körper, Atem und Geist.

 

Wie also machen wir es richtig? Natürlich müssen wir aus der Komfortzone heraus und sollen uns auch anstrengen. Aber nur soweit, dass die Achtsamkeit noch gegeben ist, dass der Atem mit der Bewegung koordiniert werden kann, dass wir uns noch wohl fühlen. Im Zweifel sollte der Yogalehrer erkennen, wenn Teilnehmer sich übernehmen und Alternativen anbieten. Außerdem sollten gesundheitliche Beschwerden berücksichtigt und die Übungen entsprechend angepasst werden. Falscher Ehrgeiz seitens der Übenden ist absolut fehl am Platz, was die anderen können ist egal. Ziehen, zerren und drücken ist tabu, Schmerzen sind ein unfehlbares Warnzeichen. Bleib bei Dir! Sei Achtsam und höre auf die Zeichen, die Dir Dein Körper gibt. Bleibe mit der Aufmerksamkeit bei der Bewegung, bei Deinem Atem. Übe so, wie Du kannst - und nicht so, wie die anderen es vielleicht können. Dann kannst Du die sthira sukha Qualität des Yoga erreichen und wirst schnell spüren, dass weniger manchmal mehr ist.

 

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© Christine Zednik

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