Öfter mal das gleiche

Wie schnell ist uns langweilig, auch im Yoga! Manche Yogis wechseln ihre Praxis so oft, wie andere das Outfit. Wir suchen Glück, Zufriedenheit, Erfüllung oder inneren Frieden ständig woanders. Warum eigentlich? Und führt das zum Ziel?

 

"Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da." Dieses zugegebenermaßen etwas abgenutzte Goethe-Zitat ist interessanterweise auch sehr passend für unsere Yoga-Praxis. Warum? Weil es einen zutiefst menschlichen Charakterzug beschreibt: Das Gras ist nebenan immer grüner als bei uns. Wir suchen das Glück, inneren Frieden oder Zufriedenheit immer woanders, nie in dem, was wir gerade haben oder tun.

 

Wir suchen ständig Abwechslung, immer was Neues. Suchen gleichzeitig Ausreden, altbewährte Übungen nicht machen zu müssen, selbst, wenn sie uns in der Vergangenheit immer gut geholfen haben. Oft und schnell wird es uns langweilig und wir stellen die Praxis ein. Das gilt vor allem, wenn es uns (wieder) besser geht. Wenn beispielsweise Stress und Druck durch eine gute Yogapraxis nachgelassen haben. Oder wenn wir durch gute Ernährung und regelmäßige Bewegung erfolgreich ein paar Kilos verloren haben. Ruckzuck wirft man alle guten Vorsätze über Bord und alles ist schnell wieder beim Alten. 

 

Offensichtlich ist das kein neues Phänomen unserer Spaßgesellschaft, sondern einfach in unserer Natur verankert. Nicht umsonst wird das Thema "dranbleiben" schon im Yogasutra des Patanjali - der wahrscheinlich wichtigsten Überlieferung des Yoga - gleich zu Beginn beschrieben. Die ist immerhin schon gut 2.000 Jahre alt. Da heißt es sinngemäß:

 

„Die Veränderung des Geistes in Richtung Yoga wird erreicht durch die Etablierung einer entsprechenden Praxis, und durch die Entwicklung der Fähigkeit, sich nicht von diesem Weg abbringen zu lassen.“

 

Also: Üben! Machen! Nicht darüber reden, nicht darüber lesen, nicht darüber nachdenken. Machen! Über längere Zeit, ohne größere Unterbrechungen. Das führt zum Ziel. Dazu muss es nicht in jeder Yogastunde ein neues Programm sein. Gib Dir Zeit, die Übungen über einen längeren Zeitraum wirken zu lassen. Das ist ja gerade der Effekt des Übens. Stetiges wiederholen, spüren, wie man "besser" wird, Übungen besser versteht. Dabei zählt nicht nur, dass man plötzlich mit den Fingern leichter den Boden berühren kann. Vielleicht bemerkst Du jedes Mal einen neuen Aspekt, der Dir zuvor noch nicht bewußt war. Vielleicht spürst Du bisher unbemerkte Vorgänge im Körper, wenn Du eine gute Atmung beim Üben hattest. Oder Du nimmst wahr, wie sich Dein Geist schneller sammeln und ausrichten kann. All das kann Dir kein Yogalehrer erklären, Du musst es selbst erfahren. Das ist gute Yogapraxis.

 

Der bekannte Yogalehrer R. Sriram meinte einmal in einem Interview: "Man sollte nicht immer neue Lösungen für die gleichen Fragen suchen! Es ist wichtig, an einer einzigen Stelle lange zu suchen und nicht immer wieder an neuen Stellen die Suche fortzusetzen." Soll heißen: Wir haben das Handwerkszeug, müssen es nur über längere Zeit einsetzen. Die Techniken des Yoga, die wir eigentlich schon kennen, bringen uns unseren Zielen näher – wenn wir sie nur praktizieren. Jeder da wo er steht, jeder nach seinen Möglichkeiten.

 

Also: Öfter mal das gleiche - es lohnt sich!

 

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© Christine Zednik

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